Sport-Wetten
Schwarze Schafe
Manipulationen kamen bei Sportwetten schon immer vor. Vor allen Dingen die italienische B-Liga wurde immer wieder durch
gesteuerte Fußballspiele erschüttert. Doch auch die deutsche Wett-Szene hat mittlerweile einen handfesten Skandal, in die
der Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer maßgeblich verwickelt war. Bis Anfang dieses Jahres war das Wort
Fußball-Wettskandal weitgehend ein Fremdwort. Doch seit den Ermittlungen gegen Hoyzer im Januar dieses Jahres
gegen Hoyzer sind die beiden Worte in aller Munde. Der Referee hat zugegeben, Meisterschaftsspiele der zweiten Bundesliga,
des DFB-Pokals sowie der Regionalliga verpfiffen zu haben. Und zwar in der Weise, dass die zuvor gewetteten Ergebnisse
dabei heraus kamen. Am Bekanntesten wurde dabei das Spiel des Regionalligisten SC Paderborn 07 gegen den Hamburger SV
vom 21. August 2004, das der Außenseiter aus Ostwestfalen durch zwei fragwürdige Elfmeter mit 4:2 gewann.
Bis zum Geständnis Hoyzers waren allerdings schon mehrere Runden gespielt worden, so dass eine Wiederholung des Spieles
außer Frage stand. Die Hamburger erhielten vom DFB eine Entschädigung von 500.000 Euro sowie die Einnahmen aus einem
Länderspiel, welches in der Hamburger AOL-Arena ausgetragen werden soll. Ein Spiel aus der zweiten Liga wurde wiederholt:
LR Ahlen gegen SV Wacker Burghausen endete am 22. Oktober 2004 1:0, nachdem Hoyzer einen nicht berechtigten Elfmeter
gegeben hatte. Hier ordnete das DFB-Sportgericht erstmalig in der Geschichte des deutschen Profifußballs eine
Spielwiederholung vor einem kriminellen Hintergrund an. In der 66. Minute des neunten Spieltages entschied Hoyzer auf
einen Handelfmeter und eine gelb-rote Karte für Vukasin Trivunovic (Wacker Burghausen), der Strafstoß führte zum Sieg
der Bayern.
Aufdeckung des Skandals
Was zunächst als "Eintagsfliege" in der Schiedsrichter-Szene aussah, entpuppte sich als Fortsetzungsroman: Als nächster
Schiedsrichter kam Dominik Marks auf den Plan, der die Regionalliga-Partie Hertha BSC Amateure gegen Arminia Bielefeld
Amateure für 6.000 Euro von der kroatischen Wett-Mafia verschoben haben soll. Weiterhin wurde in dem Wettskandal
Torsten Koop suspendiert - er hatte den DFB von einem Anwerbeversuch des vorübergehend inhaftierten Robert Hoyzer zu
spät berichtet. Die vier Unparteiischen Lutz Michael Fröhlich, Manuel Gräfe, Olaf Blumenstein und Felix Zwayer
hingegen trotzten aller finanziellen Angebote und informierten den DFB über ihre Verdächtigungen gegen ihren
Schiedsrichterkollegen. Direkt nach seinem Geständnis wurde Hoyzer mit der kroatischen Wett-Mafia in Verbindung gebracht,
der Verdacht nach organisierter Kriminalität verhärtete sich. Drei kroatische Mittäter wurden wie Hoyzer in
Berlin vorüber gehend verhaftet, sie werden sich demnächst wegen banden-und gewerbsmäßigen Betrugs vor Gericht verantworten müssen.
Auswirkungen
Natürlich musste der DFB gerade in Hinsicht auf die im eigenen Land statt findende WM 2006 schnellstens reagieren:
Schiedsrichter, die neu in die zweite Liga aufsteigen, werden zukünftig über drei Jahre in der Regionalliga beobachtet.
Außerdem soll in Zukunft auch die erste Hauptrunde im DFB-Pokal mit einem Schiedsrichterbeobachter besetzt werden -
was bisher nicht der Fall war. Dieser vierte Referee soll ein gestandener Erstligaschiedsrichter sein, der notfalls als
Spielleiter einspringen kann. Außerdem sollen zwei Gespanne noch am Spieltag getauscht werden können, Video-Beweise
eingeführt werden, alle Beteiligten einem Wettverbot unterliegen und das Frühwarnsystem Betradar greifen.
Die Deutsche Fußball-Liga hat einen Vertrag mit der Firma www.betradar.com abgeschlossen, die das System für
174 Buchmacher aufgebaut hat. Betradar misst die Quotenveränderungen der Wettanbieter in Zwei-Minuten-Intervallen.
Verändern sich die Quoten auffällig, werden automatisch Warnhinweise per E-Mail oder SMS verschickt. Das Frühwarnsystem
wurde von zwei norwegischen Wissenschaftlern entwickelt und seit 2001 angeboten. Täglich werden 8000 Sportwetten
beobachtet. Angeschlossen sind 50 aktive, große Wettunternehmen aus fünf Kontinenten, dazu kleine, eher lokal
orientierte Buchmacher. Auch weiter wurde der DFB tätig: Am 13. Februar wurde ein Ausschuss für das Problem
Spielmanipulation gegründet.
Nach dem Wettskandal
Der DFB hat nach dem Wettskandal auch in die andere Richtung reagiert und will eine eigene Sportwette anbieten.
"Hauptziel ist es, Manipulationen von Fußballspielen zu verhindern", sagte der geschäftführende Präsident Theo Zwanziger
gegenüber der Süddeutschen Zeitung, "und mit den Erlösen können wir vor allen Dingen den Amateursport finanziell sichern".
Gemeinsam mit dem Deutschen Sportbund bereitet sich der DFB darauf vor, mit der eigenen Sportwette nach der
Fussball WM 2006 zu starten. Außerdem "sehe er nicht ein, diesen Markt Unternehmen zu überlassen, die mit unseren
Veranstaltungen hohe Umsätze machen", so Zwanziger weiter. Mit der Bundesliga sei schon seit längerer Zeit in
Erwägung gezogen worden, eine eigene Sportwette ins Leben zu rufen. Den Umsatz der Wett-Anbieter bezifferte
Zwanziger mit zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr. Weiterhin kritisierte der Präsident, dass einzelne
Bundesländer bei der Sportförderung die Gelder stark kürzen, obwohl die staatlichen Wettlotterien mit ihren
Angeboten am Sport verdienen. Ein weiterer Kritikpunkt des DFB-Mannes ging in Richtung der Glücksspielunternehmen mit
fragwürdigen Tipps. "Wenn einer darauf wetten kann, welche Mannschaft die erste gelbe Karte oder einen Elfmeter erhält,
dann ist die Gefahr des Manipulationsanreizes noch größer als bei der früheren Elfer-Wette", sagte Zwanziger weiter.
Zur Erinnerung: Bei der Elfer-Wette musste neun von elf Spielen richtig voraus gesagt werden, wollte man in die
Gewinn-Ränge kommen. In dem Fall wären also neun manipulierte Schiedsrichter nötig gewesen.
Ob Fußball, Pferderennen, Handball, Tennis, Rugby oder irgendeine andere Sportart, die Wettlust der Menschen
scheint ungebrochen. Auch weiterhin werden die Tipper Samstag für Samstag vor den Radiogeräten und Fernsehern sitzen und
gebannt verfolgen, wie "ihr Tipp" abschneidet. Und wie seit Jahrhunderten wird es beim Wetten Gewinner und Verlierer geben,
Existenzen, Freundschaften beziehungsweise Ehen werden dabei auf der Strecke bleiben. Andere wiederum - mit Sicherheit der
kleinere Teil - werden nach ihrem großen Coup in Saus und Braus leben können. Eben, weil sie den "richtigen Riecher" hatten.
|